Asilah
Marrokos Künstleroase am Atlantik
Asilah, die kleine, farbenfrohe Fischerstadt an der nördlichen Atlantikküste, ist noch ein gut gehüteter Geheimtipp unter Marokko-Reisenden. Für die Einheimischen hingegen ist Asilah längst ein beliebter Urlaubsort, auch wenn es abseits der typischen Rundreise-Routen liegt. Gerade deshalb bewahrt die Stadt ihren unverfälschten, authentischen Charme und nur wenige Individualreisende verirren sich hierher. Ein Besuch lohnt sich allemal: Seit den 1970er Jahren hat sich Asilah zu einem lebendigen Mekka für Künstler und Straßenmaler entwickelt, das weit über seine Stadtmauern hinaus bekannt ist.
"Marokko hat eine Seele, die man spüren kann,
wenn man durch seine Gassen wandert
und den Duft von Gewürzen in der Luft riecht.“
(Paul Bowles)
Asilah ist eine orientalische Kleinstadt mit rund 35.000 Einwohnern im Norden Marokkos. Bis in die 1970er Jahre lebten die Menschen hier vor allem vom Fischfang, doch der Konkurrenzdruck durch die großen Häfen in Tanger und Casablanca setzte der Stadt zu. Nach und nach verfiel Asilah und viele Bewohner zogen weg. Doch dank des Einsatzes einiger engagierter Lokalpolitiker und mit der Unterstützung des marokkanischen Künstlers Mohammed Melehi erlebte Asilah eine beeindruckende Wende. Gemeinsam wurde die Stadt liebevoll restauriert und verwandelte sich seitdem in einen lebendigen Anziehungspunkt für nationale und internationale Künstler .
Gerne nehme ich dich mit zu einem kurzweiligen Spaziergang durch Asilah und zeige dir, was es zu sehen gibt:
1. Durch die Medina von Asilah
Die Medina von Asilah wird von einer vollständig erhaltenen Stadtmauer aus dem 15-16. Jahrhundert umgeben, die einst von den Portugiesen erbaut wurde. Du betrittst sie durch eines der vier Haupttore. Obwohl die Medina recht klein ist, sind die Gassen und Wege so verwinkelt angelegt, dass Angreifer sich damals schwer orientieren konnten. Genau diese verworrene Struktur verleiht der Medina heute ihren ganz besonderen Charme und lädt dich ein, einfach entspannt und ohne Ziel durch die engen Straßen zu schlendern.
Innerhalb der Medina von Asilah gibt es nur wenige Cafés, Restaurants oder Geschäfte. Hier herrscht noch immer vor allem das ruhige, dörfliche Leben. Dennoch findest du einige kleine Galerien und Läden mit Kunsthandwerk, die zum Entdecken einladen.
Es gibt dort keine echten "Must-See'", lass dich einfach durch die Gassen treiben, freu dich an den vielen Murals und Kunstwerken und höre das ferne Rauschen des Meeres.
2. Besuche das Moussem Art Festival
Ein mal im Jahr trifft sich die internationale Kunstszene in Asliah. Hierhin kommen die Künstler zum Moussem Art Festival um die vielen weissen Wände der Medina neu zu bemalen und mit Tanz, Lesungen, Workshops und Ausstellungen die Kultur zu feiner. Im Jahr 1978 beschlossen die beiden Künstlerfreunde Mohammed Melehi und Mohamed Benaïssa befreundete Künstler einzuladen, um die heruntergekommenen Fassaden der Altstadt von Asilah mit großen Bildern aufzuhübschen. Daraus entwickelte sich rasch eine Tradition.
Jedes Jahr im Juli und August erwacht das ruhige Städtchen am Meer dann aus seinem Dornröschenschlaf und ist einen Monat lang Zentrum für Musiker, Maler, Schriftsteller und freischaffende Künstler. Überall wird gemalt, musiziert, getanzt und gefeiert. Alle Termine rund um das Festival findest du hier.
3. Meerespromenade Caraquia und der Meeresfriedhof
Lass deinen Spaziergang durch die Medina am Meer enden. Unterhalb der befestigten Stadtmauer klatschen die Wellen an die Steine. Am Aussichtspunkt Caraquia findest du den besten Blick auf die Medina, die Stadtmauer und das Meer. Besonders im Abendlicht der untergehenden Sonne ergibt das ein stimmungsvolles Bild. Das Weiss der Fassaden, die goldgelben Steine der Wallmauer und das türkisblau des Meers bilden einen wunderbaren Farbdreiklang. Vielleicht ruft dazu noch der Muezzin von der nahegelegenen Moschee. Dann erlebst du das perfekte Marokko- Feeling.
Am Ende der Promenade stösst du auf eine kleine Kuppel mit einer Terrasse davor . Es scheint, als wenn mehrere kleine Häusschen ineinander verschachtelt wurden. Davor ist eine ummauerte Terrasse erkennbar, die- bei genauem hinsehen- mit verschiedenen marokkanischen Fliesen belegt ist. Man könnte es fast für die Andeutung eines Teppich halten. Du stehst jetzt am Mausoleum von Sidi Ahmed El Mansur (1549-1603). Sidi Ahmed al-Mansur war der Sultan, der Asilah nach der berühmten „Schlacht der drei Könige“ zurückeroberte. Seine echten Überreste liegen in Marakkesh, hier hat man ihm nur eine Gedenkstädte errichtet.
4. Asilah Umgebung
Außerhalb der Medina entpuppt sich Asilah als eine normale marokkanische Stadt mit einem kleinem Souk, Garküchen, Souvenirshops, Bars und Restaurants. Hier musst du dich einfach treiben lassen. Es gibt nichts, was ich besonders empfehlen möchte. Ich war in Asilah nur auf einem Tagesausflug von Tanger aus , daher kann ich dir keine Übernachtungsempfehlung aussprechen.
Du solltest in einem der vielen Lokale den frischen Fisch probieren, denn hier am Meer, wo er frisch gefangen wird schmeckt er einfach am besten. Rund um Asilah findest du schöne , weite, naturbelassene Atlantikstrände. Da die Region touristisch noch nicht weit erschlossen ist, findest du dort nur wenig Infrastruktur. Dafür bist du oft ganz alleine mit dem Wind , den Wellen und manchmal auch einigen Surfern, denn die Küste eignet sich bestens zum Wellenreiten.
5. Garden of Rohuna
Für mich war Asilah tatsächlich nur eine Etappe auf dem Weg zum Garten Rohuna des italenischen Schriftsteller und Gartenbauer Umberto Pasti. Zusammen mit den Einwohnern des Dorfes Rohuna, das etwa 20 Minuten mit dem Auto von Asilah entfernt liegt, rettete Umberto tausende von Pflanzen von Baustellen und Brachland und siedelte sie hier im Norden Marokkos in einem einzigartigen Gartenprojekt neu an.
Zwischen zwei kleinen Häusern pfanzte er den "Garten des Trostes": Eine Reihe von Gartenräumen und Terrassen mit üppiger Vegetation erinnern an die Gemälden von Henri Rousseau , andere zeigen fantastische Figuren und Installationen.
An den Garten des Trostes anschließend erreichst du den "Wilden Garten" der den wild wachsenden Blütenzwiebeln Nordmarokkos gewidmet ist. Hier blühen einheimische Arten von Narzissen, Iris, Krokus, Scilla, Gladiolen und anderen.
Mit seinen atemberaubenden Ausblicken bis zum Meer und den grünen Feldern der Umgebung ist Rohuna ein Garten von wilder Schönheit mit der Mission, die botanische Vielfalt der Region zu bewahren. Rohuna ist nicht im eigentlichen Sinne "schön" oder "gepflegt". Der Garten ist vielmehr ein ungeordnetes Sammelsurium der Natur, was sich frei und ohne Eingrenzung durch den Menschen entfalten darf. Gleichzeitig ist er ein solziales Projekt, das die lokale Bevölkerung in die Erhaltung der eigenen Natur einbindet und zur Mitarbeit anhält.
Soziales Projekt als Inspiration
Die Dorfgemeinschaft von Rohuna versorgt die Besucher mit allen Informationen, bereitet Mahlzeiten zu, die auf Vorbestellung an lauschigen Plätzen im Garten eingenommen werden können. Du kannst den Garten mit Vorankündigung auch als Einzelperson besuchen. Alle Infos zu den Öffnungszeiten und Buchung findest du hier.
Ein anderes soziales Projekt habe ich in Tansania besucht, wo ich das Leben der Massai kennen lernen durfte. Schau gerne hier: Afrika- Kontinent der Widersprüche
Das war mein kleiner Ausflug in einen noch recht unbekannten Teil von Nordmarokko. Hoffentlich hat er dir gefallen und konnte dich inspirieren. Dann hinterlass mir gerne deine Gedanken dazu.
Für mehr Reiseinspirationen schau doch gerne auch mal hier:
⇒Gärten und Parks entlang des Rheins
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